"Ihre Werte sind völlig normal"
Aktualisiert: vor 5 Tagen

„Ihre Werte sind völlig normal“, teilte mir meine Hausärztin zu Beginn des Sommers mit. „Sie benötigen nicht einmal zusätzliche Vitamine, alles ist im grünen Bereich.“
Ich hatte mich für einen Arzttermin angemeldet, nachdem ich bereits seit Wochen unter ständiger Müdigkeit, Erschöpfung, Brain Fog, schmerzenden Brüsten, trockenen Augen und – ganz frisch – dem Burning-Mouth-Syndrom* zu kämpfen hatte. Daraufhin liess ich ein vollständiges Blutbild erstellen. „Ich wusste, es sind die Wechseljahre“, antwortete ich und ging nach Hause. Irgendwann wird es besser, sagte ich mir.
Doch die Symptome verschwanden nicht. Im Gegenteil, es wurde immer schlimmer: Stress bei der Arbeit und kaum Möglichkeiten zur Erholung führten kurzerhand zur totalen Erschöpfung. Ich schlief nur noch, um mich zu erholen, war absolut unbrauchbar und spürte, wie ein Burnout immer greifbarer wurde. Das wiederum führte zu einem wachsenden schlechten Gewissen, die Unfähigkeit meine Aufgaben richtig auszuführen, durch den Brain Fog Fehler zu begehen oder dem starken Bedürfnis dem Schlaf nachzugeben - das wäre mir früher nie passiert! Der ganze Druck führte zu weiteren Stressbeschwerden: ein übersäuerter Magen, vermehrtes Bauchweh, Muskelverspannungen und Kieferschmerzen, die so stark wurden, dass ich kaum noch beissen konnte. Besonders irritiert hat mich jedoch meine Vergesslichkeit, die in dieser Zeit beängstigende Dimensionen annahm.
Was nun? Was tun? So kann es nicht weitergehen.
Eines Abends fiel mir in den sozialen Medien ein medizinischer Bericht über Testosteronmangel ins Auge.
Natürlich! Wie konnte ich das nur vergessen?!
Erschöpfung, starke Stimmungsschwankungen, ausgeprägte Vergesslichkeit und Libidomangel können einen Hinweis auf einen zu tiefen Testosteronspiegel sein.
Am nächsten Arbeitstag rief ich deshalb sofort meine Gynäkologin an, um meinen Hormonhaushalt überprüfen zu lassen.
Und was dabei herauskam? Das erfahren wir in ein paar Tagen …
Ich schreibe diesen Text nicht, um Mitgefühl zu erwecken. Ich finde es wichtig, auf die vielfältigen und auch sehr individuellen Symptome der Wechseljahre hinzuweisen und darüber zu sprechen - dass es Mittel und Wege gibt, Beschwerden zu lindern.
Der erste Schritt ist oft, die eigenen Symptome ernst zu nehmen, sie anzusprechen und den richtigen Arzt oder die richtige Ärztin zu finden.
Die Wechseljahre können verunsichern. Gespräche, Wissen und Aufklärung können dabei helfen, Symptome besser zu erkennen, einzuordnen und gezielt etwas dagegen zu unternehmen – vielleicht hilft diese Geschichte ja auch dir dabei.
Ich habe die Wechseljahre zu meiner Herzensangelegenheit gemacht. Ich möchte anderen Frauen helfen, wachse dabei an meinen eigenen Erfahrungen und bilde mich dabei fortlaufend professionell weiter.
Denn manchmal ist es genau dieses „Irgendwann wird es schon besser“, das uns davon abhält, genauer hinzuschauen. Gerade zwischen 40 und 55 Jahren kann es hilfreich sein, eine vertraute Gesprächspartnerin oder einen Gesprächspartner an der Seite zu haben, mit dem du offen über deine Unsicherheiten und Fragen sprechen kannst – und gemeinsam passende Lösungen zu finden.
*Burning-Mouth-Syndrom: fühlt sich an als hätte man die ganze Zunge verbrannt, der Mund ist trocken, brennt, man hat ständig Durst, Essen kann als metallisch oder bitter empfunden werden.




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